Lernen 2.0

Lernen mit digitalen Medien: Die Kids sind schon viel weiter! Und die Lehrer?

Dieses Video wurde u.a. auf dem Educamp 2008 in Ilmenau gezeigt und hat mich nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional angesprochen. In Ilmenau wurde mir klar, dass wir unseren Kurs in Richtung kollektive Wissenskonstruktion durch Partizipation und unter Zuhilfenahme einer Vielzahl von virtuellen Medien beibehalten müssen bzw. noch mehr “pushen” sollten. Natürlich kann man den Hype auch etwas realtivieren: Die Educamp-Community ist hinsichtlich ihrer Interessen und deren Umsetzung in einer sehr privilegierten Situation: Forscher (Studenten, Doktoranden, Professoren) mit beneidenswerter technischer Ausrüstung, versammelt auf einem technisch und architektonisch ebenso ansprechenden Campus… Das sind sehr paradiesische Zustände. Der Schulalltag und auch die Situation an der Uni – ich spreche von dem mir bekannten Bereich der Geisteswissenschaften und der Pädagogik – finden sich oft in einer vergleichsweise unterprivilegierten Lage.

Die technischen Weichen werden indes bald gestellt sein. Was aber noch wichtiger ist, sind die “Köpfe” der Akteure im Bildungsprozess. Solange hier veraltete, verkrustete, hierarchische Strukturen tonangebend sind, verspielen wir wertvolle Potentiale und sozialisieren Schüler und Studierende in alte Strukturen.

Die Message ist klar: Wir stehen an der Schwelle eines gewaltigen Paradigmenwechsels, vergleichbar mit dem Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. So wie damals verlangen neue Phänomene übrigens auch eine präzise Terminologie. Die Tags von heute und morgen sehe ich im Feld “Education” so:

  • partizipative Konstruktion statt Instruktion
  • Geschwindigkeit und Vernetzung
  • Problemlösen im Kontext von Unschärfen
  • Emergenz statt Kausalzusammenhänge
  • Demokratisierung des Wissensgenerationsprozesses
  • Aufmerksamkeitsökonomie
  • Netzsensibilität

6 Antworten

  1. Hi Michael!

    Stimmte dir voll und ganz zu!

    Was meinst du mit “Aufmerksamkeitsökonomie”?

  2. Hi Christian,
    mit Aufmerksamkeitsökonomie meine ich, dass im neuen Paradigma Aufmerksamkeit als “Währung” gehandelt wird. So wie es der Künstler auf dem Educamp gesagt hat, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Er holt sich die Kicks von den Userstatistiken seines Blogs.
    Ich sehe es aber auch ganz praktisch: Wenn ich bei google im Ranking weit oben bin, bekomme ich Aufmerksamkeit und rutsche noch weiter hoch usw. ;-)

  3. Der Künstler nannte sich Sessil Siffkov. Ich stimme Dir absolut zu, was die verkrusteten Zuständen an einigen Unis angeht. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob die Ilmenauer Studenten überhaupt wissen, wie gut es ihnen geht. Wenn ich da an die Philosophische Fakultät in Jena denke, könnte ich weinen.

  4. Als Impuls gedacht ;)

    “Backup” von Cory Doctorow (nicht von mir geschrieben, mache auch Fremdwerbung ;) )

    Im Ernst, in diesem Buch spielt Cory Doctorow die Möglichkeit aus, was wäre, wenn unsere Währung von nun an in der Aufmerksamkeit (= Beliebtheit) bestünde? Das Google-Prinzip könnte man damit auch vergleichen.

    Ich finde das Buch toll :)

    (*gratz* zum Blog ;) )

  5. Das Video ist eine Zusammenfassung von Did you know… welches in einer Kurzfassung auch beim EduCamp gezeigt wurde. Dieses hatte mich auch so “bewegt” als ich es zum ersten Mal gesehen hatte, dass ich einen Blogbeitrag dazu schreiben musste. Das Video ist auch direkt eingebunden bei mir. http://mosworld.wordpress.com/2008/04/15/did-you-know/

  6. @Pat, Jan unf Mo

    Danke Euch für die Kommentare. Ich muss mir
    1. unbedingt das ganze Video anschauen
    2. das Buch Backup zulegen
    3. den Siffkov kontaktieren, weil er so witzig ist

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