Aufmerksamkeit als Währung der Zukunft

„Wenn ich mir die Blogstatistik ansehe und 500 Menschen meinen Beitrag gelesen haben, ist das für mich wie ein Kick – besser als irgendeine Droge.“ Diesen Satz habe ich letzes Wochende in Ilmenau aufgeschnappt. Aufmerksamkeit schafft aber nicht nur persönlich- emotionale Befriedigung, sondern potentiell auch ökonomischen Erfolg, sofern man gute Produkte im Angebot hat.

Der Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie geht von der Prämisse aus, dass in der Wissensgesellschaft Aufmerksamkeit ein rares Gut sein wird, und die Fähigkeit, sich dieses Gut zu verschaffen, entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sein wird. So gesehen könnte man Aufmerksamkeit also neben Wissen als „Ressource der Zukunft“ als eine Art „Währung der Zukunft“ verstehen. Es genügt nicht mehr allein das Verfügen eines guten, relevanten Produktes, auch wenn es sich um Wissen oder Ideen handelt. Das Produkt muss nach dem Motto „Geschwindigkeit und Vernetzung“ ansprechend präsentiert, Referenzen müssen gesetzt werden, sonst wird es entweder nicht beachtet oder ein anderer macht es sich schneller zunutze. Die Erstellung neuen Wissens und neuer Ideen kann nicht in Einsamkeit erfolgen sondern aufgrund der immer komplexer werdenden Welt nur in Gruppen. All dies spricht für eine stärkere Zusammenkunft von Menschen in Netzwerken und für einen gemeinsamen Wissensgenerierungsprozess, zum Beispiel mit Hilfe von Wikis.

Diese Aufmerksamkeit erlangt man aber weder automatisch, noch durch gezieltes eigens Zutun – wobei es natürlich schon Techniken gibt, die das Aufmerksamkeitspotential erhöhen (z. B. redundantes Vorgehen, Selbstreferentialität, Verursachen von Perturbation, Provokation etc.) Letztendlich handelt es sich aber um einen emergenten Prozess:

Von Emergenz (lat. emergere: auftauchen, hervorkommen, sich zeigen) wird dann gesprochen, wenn Makrogebilde Eigenschaften aufweisen, die nicht unmittelbar direkt auf die Mikroebene zurückführbar sind. Emergente Eigenschaften sind zwar durch Mikroprozesse determiniert, können aber aus diesen nicht vollständig erklärt werden, sondern kommen erst durch das Zusammenwirken der Subsysteme (die Systemelemente auf der Mikroebene) zustande. (Vgl. Heintz 2004; „Emergenz und Reduktion. Neue Perspektoven auf das Mikro-Makro-Problem.“ In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56. S. 1-31) Bezogen auf die Lernergruppe, die zusammen Wissen konstruieren möchte, ergibt sich folgende Konsequenz. Die in einem metaphorischen neuronalen Netz interagierenden Lerner konstruieren gemeinsam durch das Umformen von Informationen Wissen. Durch die gegenseitige Wechselwirkung und die gruppenspezifischen Fähigkeiten (z.B. Bereitschaft und Fähigkeit, rasch zu interagieren) können Problemlösungen emergieren. Das Wissen, das im Rahmen von intensiven Interaktionen erzeugt wird, kann man als Emergenz bezeichnen.

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5 Antworten

  1. Sehr schön ;-)) Mein Blog ist noch im morpgogenetischen-Feld… ab Herbst 2008 zu erwarten… Freue mich auf die RSS-Meldungen von deinem Blog ;-))

  2. Schöner Artikel – meine Aufmerksamkeit hast du! 🙂

  3. Wusste gar nicht, dass Aufmerksamkeit mit Genen verbunden werden kann.

  4. Metaphorisch geht alles ;-))

  5. […] These 2.2 zu Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit könnte die Währung der Zukunft sein. Deshalb versucht ein „Aufmerksamkeits-Kapitalist“ über Aufmerksamkeitsströme (Bspw. Mailinglisten) zu verfügen. Aufmerksamkeitsressourcen gewinnt man dadurch, dass man nachhaltig in diversen Feldern wirkt und auf diese Weise Vertrauen aufbaut. Daher ist Nachhaltigkeit (nicht zu oft das Feld wechseln) im positiven, sichtbaren Wirken, eine Vorraussetzung für die Kapitalisierung von Aufmerksamkeit (Währung)(Dieses Thema hat Michael Kratky in seinem Blog aufgegriffen; 27.042008) […]

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