Geschwindikeit und Vernetzung: Neuron!

Wie rasant ein Projekt anlaufen kann, hat die Einrichtung der Neuron!-Communitiy bei mixxt gezeitgt. Hier muss man unbedingt vorbeischauen:

http://www.neuron.mixxt.de/

Im Zentrum steht dabei die Erstellung einer (metaphorischen) neuronalen Struktur als Set zur Bewältigung und Verarbeitung von Projekten in Form von kollektiver Wissenskonstruktion. Das einzelne NEURON (Individuum) bringt seine individuellen Erfahrungen und sein Wissen in die Gruppe durch Kommunikationskompetenz und Partizipationskompetenz ein. Individuelles Wissen wird somit für andere verfügbar und diese werden wiederum angeregt, ihr Wissen ebenso dem Gehirn (Gruppe) beizusteuern. Die Gruppe einigt sich daraufhin in einem gemeinsamen Diskurs auf grundlegende Begrifflichkeiten, Vorgehensweisen und Ziele (kollaborative Wissensgenerierung).
Kollektives Wissen entsteht in einem kollaborativen Prozess und Vernetzung. Der Anteil kollaborativer und kollektiver Merkmale setzt sich in jeder Wissenskonstruktion unterschiedlich zusammen. Ein Phänomen, das während dieses kollaborativen Prozesses der Erzeugung von Wissen auftritt kann, ist die Emergenz. (Textauszug aus neuron.mixxt.de)

Zur Aufarbeitung der vielen Inputs hier ein Blick in den Hippocampus


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Unschärfen

In der paradigmatisch bedingten Unschärfe, die sich für mich gerade konkret durch wahnsinnig viele Kommunikations- und Partizipationsangebote darstellt, sehe ich eine große Herausforderung. Ich merke, dass ich mir noch einige Techniken (RSS- Feeds etc.) aneigen muss, um up to date zu bleiben.

Aus dem IPK-Glossar:

Unschärfe = Geschwindigkeit + Vernetzung + Nichtgreifbares

Folgendes ist entnommen aus: Davis,S./Meyer C. (1998): Das Prinzip Unschärfe: Managen in Echtzeit – neue Spielregeln, neue Märkte, neue Chancen in einer vernetzten Welt. Wiesbaden: Gabler, S.15

Geschwindigkeit: Jeder einzelne Aspekt der Wirtschaft und der vernetzten Organisation operiert oder verändert sich in Echtzeit.

Vernetzung: Alles wird über elektronische Netzwerke miteinander verbunden: Produkte, Menschen, Unternehmen, Länder, einfach alles.

Nichtgreifbare Werte: Jedes Angebot besitzt sowohl greifbaren als auch nichtgreifbaren wirtschaftlichen Wert. Der nichtgreifbare Wert wächst gegenwärtig und zukünftig schneller.

Unschärfe: Die neue Welt, in der Sie leben und arbeiten werden.“

Aufmerksamkeit als Währung der Zukunft

„Wenn ich mir die Blogstatistik ansehe und 500 Menschen meinen Beitrag gelesen haben, ist das für mich wie ein Kick – besser als irgendeine Droge.“ Diesen Satz habe ich letzes Wochende in Ilmenau aufgeschnappt. Aufmerksamkeit schafft aber nicht nur persönlich- emotionale Befriedigung, sondern potentiell auch ökonomischen Erfolg, sofern man gute Produkte im Angebot hat.

Der Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie geht von der Prämisse aus, dass in der Wissensgesellschaft Aufmerksamkeit ein rares Gut sein wird, und die Fähigkeit, sich dieses Gut zu verschaffen, entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sein wird. So gesehen könnte man Aufmerksamkeit also neben Wissen als „Ressource der Zukunft“ als eine Art „Währung der Zukunft“ verstehen. Es genügt nicht mehr allein das Verfügen eines guten, relevanten Produktes, auch wenn es sich um Wissen oder Ideen handelt. Das Produkt muss nach dem Motto „Geschwindigkeit und Vernetzung“ ansprechend präsentiert, Referenzen müssen gesetzt werden, sonst wird es entweder nicht beachtet oder ein anderer macht es sich schneller zunutze. Die Erstellung neuen Wissens und neuer Ideen kann nicht in Einsamkeit erfolgen sondern aufgrund der immer komplexer werdenden Welt nur in Gruppen. All dies spricht für eine stärkere Zusammenkunft von Menschen in Netzwerken und für einen gemeinsamen Wissensgenerierungsprozess, zum Beispiel mit Hilfe von Wikis.

Diese Aufmerksamkeit erlangt man aber weder automatisch, noch durch gezieltes eigens Zutun – wobei es natürlich schon Techniken gibt, die das Aufmerksamkeitspotential erhöhen (z. B. redundantes Vorgehen, Selbstreferentialität, Verursachen von Perturbation, Provokation etc.) Letztendlich handelt es sich aber um einen emergenten Prozess:

Von Emergenz (lat. emergere: auftauchen, hervorkommen, sich zeigen) wird dann gesprochen, wenn Makrogebilde Eigenschaften aufweisen, die nicht unmittelbar direkt auf die Mikroebene zurückführbar sind. Emergente Eigenschaften sind zwar durch Mikroprozesse determiniert, können aber aus diesen nicht vollständig erklärt werden, sondern kommen erst durch das Zusammenwirken der Subsysteme (die Systemelemente auf der Mikroebene) zustande. (Vgl. Heintz 2004; „Emergenz und Reduktion. Neue Perspektoven auf das Mikro-Makro-Problem.“ In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56. S. 1-31) Bezogen auf die Lernergruppe, die zusammen Wissen konstruieren möchte, ergibt sich folgende Konsequenz. Die in einem metaphorischen neuronalen Netz interagierenden Lerner konstruieren gemeinsam durch das Umformen von Informationen Wissen. Durch die gegenseitige Wechselwirkung und die gruppenspezifischen Fähigkeiten (z.B. Bereitschaft und Fähigkeit, rasch zu interagieren) können Problemlösungen emergieren. Das Wissen, das im Rahmen von intensiven Interaktionen erzeugt wird, kann man als Emergenz bezeichnen.

Das Barcamp-Format hat sich selbst disqualifiziert – Plädoyer für Barcamp 2.0

Die Erfahrungen von Ilmenau letztes Wochende haben für mich ganz klar Folgendes gezeigt: Das Format „Barcamp“ per se hat sich in seiner Reinform selbst disqualifiziert. Zur Erinnerung hier ein kurzer Trailer:

Der Erfolg, der sich in der Aufstellung gemeinsamer Themen mit gemeinsamer Terminologie, in der Intensivierung unserer Kontakte und in der Aufnahme neuer, konkreter Projekte eingestellt hat, ist nur durch die monatelange, nachhaltige Diskussion auf der Mixxt-Plattform zustandegekommen. Hätte der Austausch im Forum vor dem eigentlichen Treffen nicht stattgefunden, wären unsere Impulse womöglich im allgemeinen Chaos untergegangen.

Mein Fazit: Wenn schon Barcamp, dann Barcamp 2.0!

  • Teilnehmer sollten sich metaphorisch als Neuronen im Netz begreifen.
  • Sie sollten den Mehrwert der Vernetzung spürbar werden lassen: Emergenz, übersummative Intelligenz
  • maximale Transparenz und keine Informationszurückhaltung
  • Partizipation durch Netz 2.0 Tools im Voraus

eine gemeinsame Terminologie

Vor ein paar Jahren hat Jean-Pol Martin für unseren Kurs „Internet- und Projektkompetenz“ ein Glossar entwickelt. Vielen war zu Beginn die Bedeutung dieser Begriffe nicht ganz klar, jetzt aber scheint eine Konzentration auf ein gemeinsames Terminologie-Spektrum sehr sinnvoll. Eine gemeinsame Terminologie erhöht die Intensität und Präzision des Austausches unsere knowledge worker

Hier der Link

http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/SLF/romanistik/didaktik/Forschung/ipk/theorie/handbuch

Und hier unser Kurs „Internet- und Projektkompetenz“, bei dem es uns nicht nur im technische Basics geht, sondern um konkrete Projekte und um Sensibilisierung für Kommunikation und Netzeffekte:

http://www.projektkompetenz.de

Lernen 2.0

Lernen mit digitalen Medien: Die Kids sind schon viel weiter! Und die Lehrer?

Dieses Video wurde u.a. auf dem Educamp 2008 in Ilmenau gezeigt und hat mich nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional angesprochen. In Ilmenau wurde mir klar, dass wir unseren Kurs in Richtung kollektive Wissenskonstruktion durch Partizipation und unter Zuhilfenahme einer Vielzahl von virtuellen Medien beibehalten müssen bzw. noch mehr „pushen“ sollten. Natürlich kann man den Hype auch etwas realtivieren: Die Educamp-Community ist hinsichtlich ihrer Interessen und deren Umsetzung in einer sehr privilegierten Situation: Forscher (Studenten, Doktoranden, Professoren) mit beneidenswerter technischer Ausrüstung, versammelt auf einem technisch und architektonisch ebenso ansprechenden Campus… Das sind sehr paradiesische Zustände. Der Schulalltag und auch die Situation an der Uni – ich spreche von dem mir bekannten Bereich der Geisteswissenschaften und der Pädagogik – finden sich oft in einer vergleichsweise unterprivilegierten Lage.

Die technischen Weichen werden indes bald gestellt sein. Was aber noch wichtiger ist, sind die „Köpfe“ der Akteure im Bildungsprozess. Solange hier veraltete, verkrustete, hierarchische Strukturen tonangebend sind, verspielen wir wertvolle Potentiale und sozialisieren Schüler und Studierende in alte Strukturen.

Die Message ist klar: Wir stehen an der Schwelle eines gewaltigen Paradigmenwechsels, vergleichbar mit dem Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. So wie damals verlangen neue Phänomene übrigens auch eine präzise Terminologie. Die Tags von heute und morgen sehe ich im Feld „Education“ so:

  • partizipative Konstruktion statt Instruktion
  • Geschwindigkeit und Vernetzung
  • Problemlösen im Kontext von Unschärfen
  • Emergenz statt Kausalzusammenhänge
  • Demokratisierung des Wissensgenerationsprozesses
  • Aufmerksamkeitsökonomie
  • Netzsensibilität

Interview mit Jean-Pol Martin

Jean-Pol Martin über den Paradigmenwechsel: vom Instruktionismus zur Partizipation